Friedensgebet 2009

OASE OKTOBER/NOVEMBER 2009

 Setzt Gott an die erste Stelle

Während ihres Wienbesuches war Marija Pavlovic-Lunetti am 15. September 2009 zu Gast bei „Radio Maria“. Der Programmdirektor von „Radio Maria Österreich“, Mag. Andreas Schätzle, führte mit der Seherin aus Medjugorje ein Interview, das live ausgestrahlt wurde. Übersetzt wurde Marija Pavlovic von Sr. Daniela Knor.

Vielleicht können Sie sich selbst einmal ganz kurz vorstellen?

Mein neues Leben begann am 24. Juni 1981. Ich war damals 16 Jahre alt. Es ist das große Abenteuer mit der Gospa (kroatisch für Gottesmutter, Anm.d.Red.). Ich wurde in eine katholische Familie geboren, wurde getauft und lebte in einer Umgebung, wo Gott immer einen wichtigen Platz hatte. Aber durch die Gospa begann bei uns so etwas wie eine große Revolution. Ich erinnere mich, wie meine Mutter immer wieder sagte: „Unser Haus gehört eigentlich gar nicht mehr uns. Es ist wie eine Straßenbahnstation, wo die Leute plötzlich ankommen, kurz bleiben und wieder gehen.“ Diese Situation erschien uns manchmal als nicht gut, denn wir spürten, dass wir keine Privatsphäre mehr hatten. Doch wir erinnerten uns, dass die Gottesmutter uns bat, offen für die Menschen zu sein, und fingen an zu begreifen, was die Gottesmutter durch uns und unsere Familien wirken wollte; und heute, Gott sei Dank, auf der ganzen Welt.

Liebe Marija, wie war das damals für Sie, als Sie fast noch als Kind die Muttergottes gesehen haben? Woran erinnern Sie sich besonders?

 

Diese ersten Tage werde ich nie vergessen können. Der erste Tag der Erscheinungen war für uns alle wie ein Schock. Ein Jahr davor war Tito, der Präsident des kommunistischen Jugoslawiens, verstorben, der eine Art von Demokratie suchte. Mit den kommunistischen Ideen sind wir in der Schule aufgewachsen. Wir lernten über Marx und Lenin und vieles andere. Es hieß: „Religion ist Opium für das Volk.“ Und gerade in dieser Zeit erschien die Gospa. Jakov z.B. war damals 10 Jahre alt und Ivanka 15 Jahre. Wir waren gerade in der Pubertät, begannen erwachsen zu werden. In diesem Moment kam die Gottesmutter begann, uns von der Heiligkeit zu erzählen und uns auf diesem Weg zu führen. Wir begannen einfach, das zu befolgen, worum sie uns bat. Und langsam fingen wir an, etwas vom Gebet zu verstehen. Wir waren es anfangs nicht gewöhnt, hinzuknien und zu beten – aber mit der Gospa war es leicht. In unserem Herzen war immer die Sehnsucht, noch länger mit ihr zusammen zu sein, auch wenn die Erscheinungen fünf oder zehn Minuten dauerten. Wir spürten immer ein Bedürfnis, dem Himmel noch näher zu kommen durch die Gospa. Der einzige Weg, das zu erreichen, war das Gebet. Und so begannen wir zu beten. Am Anfang vielleicht mit ein wenig Zwang. Aber nach und nach kam immer mehr Freude dazu. Ich erinnere mich an die Zeit, als wir begannen, in der Nacht auf den Erscheinungsberg zu gehen. Wir sagten: „Gehen wir hinauf, beten wir für die, die nicht beten!“ Wir fühlten, dass wir eine besondere Gnade von Gott erhalten hatten und dass wir diese Gnade anderen weitergeben sollten. Und zugleich spürten wir, dass der beste Weg, wie wir das tun konnten, das Gebet ist. Viele fragten sich: „Sind die Erscheinungen jetzt echt oder nicht? Sind sie krank? Erscheint die Gospa wirklich?“

Wir selbst fühlten in uns den Frieden, weil wir mit der Gottesmutter waren.Und wir spürten das große Bedürfnis, ihr und ihrem Herzen noch näher zu kommen. Ich glaube, dass in dieser Zeit der Triumph der Unbefleckten Herzens Jesu und Mariens begonnen hat. Unsere Herzen begannen, völlig darauf Antwort zu geben auf das, was die Gospa von uns wünschte. Wir waren jung, wir hatten keine Verpflichtungen, und jeder Tag war ein großes Geschenk. Zwanzig Minuten vor sechs Uhr im Winter, und zwanzig Minuten vor sieben im Sommer spürten wir das starke Bedürfnis, uns auf diese Begegnung mit der Gospa vorzubereiten. In dieser Zeit begann Gott bereits auf besondere Weise zu wirken – nicht nur während der Erscheinung, sondern auch vorher und nachher.

In dem Augenblick, als ich ja sagte, konnte die Gospa in meinem Herzen und in meinem Leben wirken. Früher war ich sehr verschlossen. Auf einmal jedoch hatte ich den starken Wunsch, mich meinen Freunden mitzuteilen. Ich spürte, dass das Wasser aus der Quelle, an der ich war, weiter fließen sollte.

Ich verstand, dass die Gospa mich erwählt hatte und das erfüllte mich mit einer großen Freude. So begann ich Zeugnis zu geben; allerdings nicht nur ich, sondern auch Vicka, Jakov, Mirjana, Ivanka und Ivan. Viele, die bis dahin unsere Freunde waren, waren geschockt, weil wir so freimütig sprachen und ein starkes Bedürfnis hatten, alles mit den anderen zu teilen.

Ich stelle mir vor, dass es so gewesen sein musste, als die Frauen sahen, dass das Grab leer war und Jesus nicht mehr darin war. Es musste in ihnen eine große Freude gewesen sein. Sie mussten es einfach anderen weiter sagen. So konnten auch wir die Gegenwart der Gospa nicht verheimlichen. Wir begannen zu erzählen, dass Gott nicht irgendwo ist, sondern dass die Gospa hier mit uns ist, dass wir sie berühren können, dass wir mit ihr reden und ihre Stimme hören können.

 

Marija, wie erleben Sie die Muttergottes, wie erscheint sie Ihnen?

Sie ist wie eine Person, wie eine von uns. Wir können sie berühren, wir hören ihre Stimme. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, ist es, als ob in mir alles Eis schmelzen würde.

 

Erscheint die Gottesmutter plötzlich und geht sie so auch wieder, oder gibt es ein Zeichen, das ihr Kommen ankündigt?

Es kommt immer zuerst dreimal ein Licht, das alles umstrahlt, dann in diesem Licht die Gospa. Auch ihr Gewand strahlt.

 

Hat dieses dreimalige Licht etwas mit der Heiligsten Dreifaltigkeit zu tun?

Das weiß ich nicht. Aber dieses Licht, das vor der Gospa kommt, ist für mich eine große Hoffnung.

 

Und wie geht die Gottesmutter dann wieder?

Wenn die Gospa kommt, sagt sie immer: „Gelobt sei Jesus!“ In mir ist in diesem Moment immer eine große Freude und ich antworte: „Gelobt sei Jesus und Maria!“ Fast immer lächelt die Gospa dann. Ich empfehle ihr dann immer die Menschen an, denen ich begegne, vor allem die Kranken und die mit besonderen Problemen. Alles ist immer begleitet vom Gebet der Gospa. Es ist für mich immer so schön, die Liebe Gottes zu jedem einzelnen zu spüren. Besonders dann, wenn Kranke kommen, vor allem kleine Kinder, die sehr schwer krank sind. Die Muttergottes sagt: „Betet! Ich möchte für euch Fürsprache einlegen.“ Ich sehe eine große Offenheit für ein Wunder, das die Gospa für uns erbitten möchte, für jeden von uns. Sie möchte, dass wir alle heil werden, nicht nur körperlich, auch geistig.

Jakov hat einmal gesagt: „Wenn mich die Muttergottes anschaut, dann fühle ich, dass sie nicht nur in mein Herz schaut, sondern selbst meine kleine Zehe sieht.“ In diesem Augenblick hat man das Gefühl, als würde man schmelzen, als wäre man niemand mehr, und gleichzeitig spürt man, wie wichtig man ist in ihren Augen. Und es erfüllt einen eine innere Freude und eine Sicherheit, eine Tochter, ein Sohn derer zu sein, die die Königin des Himmels und der Erde ist – der Mutter Jesu. Man spürt eine unendliche Weite und begreift, dass es unsere größte Gabe ist, Christen sein zu dürfen.

 

Liebe Marija, nochmals danke, dass Sie heute zu „Radio Maria“ gekommen sind. Darf ich Ihnen bei dieser Gelegenheit Grüße von P. Livio Fanzaga, dem Programmdirektor von Radio Maria Italien und Verantwortlichen der Weltfamilie von Radio Maria bestellen. Als ich ihm per E-Mail mitteilte, dass Sie heute zu uns ins Studio kommen, antwortete er:  „sono molto felice“ – „ich bin sehr glücklich“.

Vielen Dank. Auch ich liebe das „Radio Maria“. Als Pater Livio vor vielen Jahren nach Medjugorje kam, vereinbarten wir, dass P. Livio Kroatisch und  ich Italienisch lernen sollte. Viele Jahre stehen wir nun auf diese Weise miteinander in Kontakt. Auch spürte ich damals ein großes Bedürfnis, P. Livio zu ermutigen, mit „Radio Maria“ zu beginnen. Gott sei Dank hat sich das verwirklicht. Ich danke Gott immer für seine Bekehrung und für das Geschenk von Radio Maria.

 

Marija, als die Erscheinungen begonnen haben, waren Sie sehr jung, gerade am Ende der Pubertät. Wie hat Maria Sie auf Ihrem Weg geführt, auf der Suche nach Ihrer Berufung?

Ich glaube, das Wichtigste und Schönste in meinem Leben war, als mich die Gospa (im Kroatischen für Gottesmutter, Anm. d. Red.) erwählt hat und als ich ja dazu gesagt habe. Natürlich musste ich auf viele Dinge verzichten. Wir alle fasteten viel, wir beteten viel, wir gingen jede Nacht auf den Erscheinungsberg. Und wir schliefen wenig. Tag und Nacht klopften Menschen an die Tür, Leute, die einfach in mein Haus kamen. Manchmal bin ich um fünf Uhr morgens aufgewacht und schaute in die Gesichter von Menschen, die ich noch nie gesehen hatte. Oft war es, als hätte ich kein Eigenleben mehr.

Wenn mich jemand fragt, was ich heute wählen würde, dann würde ich sagen: das Gleiche. Die Gospa hat uns in allen Situationen die Freiheit gelassen und gesagt: „Gott hat euch die Freiheit geschenkt. Entscheidet ihr selber!“

Zu den Jugendlichen, die jetzt vielleicht 16 Jahre alt sind, möchte ich sagen: Nützt diese Zeit, das ist eine sehr wertvolle Zeit für euch! Sucht Gott! Geht nach Medjugorje. Dort wirkt die Gnade, auch heute noch. Die Gospa erscheint dort und wirkt auf besondere Weise. Ihr, die ihr Gott sucht, nützt diese Zeit, damit es wirklich eure Zeit mit Gott ist! Denn ich habe viele Menschen gesehen, die im Augenblick, als sie Gott gesucht haben, ihn in Medjugorje gefunden haben.

 

Sie sind dann den Weg Ihrer Berufung gegangen und haben den Herrn Lunetti geheiratet. Sie haben einige Kinder miteinander. 

Es ist wahr, dass meine Familie und ich jeden Tag in einer besonderen Atmosphäre der Liebe der Muttergottes leben, und wünschen uns, dass wir das ausstrahlen können, wie sie es wünscht. Ich bemühe mich, das mit Liebe und Freude zu leben, auch wenn es oft nicht einfach ist. Wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe, um Mehl, Milch, Brot zu besorgen, halten mich die Leute auf, und ich habe keine Zeit, einzukaufen.

Trotzdem spüre ich ein großes Bedürfnis Gott Dank zu sagen. Auch wenn ich manchmal gerne weglaufen möchte, irgendwohin, wo mich niemand kennt, spüre ich trotzdem immer wieder, dass ich ein kleines Licht sein darf, das für andere leuchtet. Ich denke, ich darf dieses Licht nicht verstecken.

 

Sie haben vorher über das Gebet in der Familie gesprochen. Können Sie uns etwas über das Rosenkranzgebet sagen?

Der Rosenkranz ist das schönste Geschenk, das wir der Gospa schenken können. Denn dabei können wir ihr alles sagen… Immer, wenn ich „Gegrüßet seist du, Maria“ ausspreche, spüre ich, wie ich einen konkreten Kontakt zu ihr aufnehme. Die Gospa sagt uns, dass in dem Moment, wo wir beten, unser Herz offen ist für Gott und er dann auf besondere Weise durch uns wirken kann. Und sie sagt: „Ich lege Fürsprache für euch ein.“

Ich glaube, dass das Gebet, besonders das Rosenkranzgebet, ein Gebet ist, das wir oft unbewusst sprechen. Unsere Gedanken schweifen dabei ab. Doch Gott wirkt auch durch jene Gedanken, von denen wir nicht wollen, dass wir sie gerade denken. Ich glaube, Gott sieht nicht nur unsere Konzentration, sondern vielmehr unsere Liebe. Für mich ist es normal geworden, dass ich den Rosenkranz immer wieder bete, beim Arbeiten, beim Autofahren, bei vielen Tätigkeiten.

Ich erinnere mich, wie der Erzbischof von Mexiko einmal bei einer Konferenz gesagt hat: Rosenkranz beten kann man beim Kochen, beim Bügeln, beim Waschen. Er selber hat den Rosenkranz bei seiner Mutter gelernt. Während der Arbeit hat sie immer gebetet. Das ist der konkrete Rosenkranz unseres Lebens. Ich denke, im konkreten, alltäglichen Leben ist es das, was die Gospa meint, wenn sie sagt: „Euer Leben soll Gebet sein!“

Ich erinnere mich gerne an eine Freundin, die, nachdem sie geheiratet hatte, mit ihrem Mann täglich den Rosenkranz betete. Am Abend, wenn sie beim dritten Rosenkranz angelangt waren, ist ihr Mann manchmal eingeschlafen. Wenn sie ihn dann mit dem Ellbogen stieß, antwortete er: „Heilige Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“. Das wollte sie mir vorführen, als wir einmal gemeinsam mit einem Autobus zu einem Heiligtum unterwegs waren, und ihr Gatte einschlief. Sie sagte zu mir: „Schau einmal, wie er reagiert.“ Dann stieß sie ihn vorsichtig an und er antwortete sogleich: „Heilige Maria, Mutter Gottes, …“ Ich denke, die Gospa wünscht sich, dass wir uns des Gebetes nicht schämen, sondern dass wir mit Gebet antworten, dass das Beten wie zu einer natürlichen Reaktion von uns wird und dass wir beginnen, alle zu segnen. So kann eine neue Generation heranwachsen, eine Generation betender Menschen, die eine neue Welt schaffen. Ich glaube, dass das die Gospa wünscht.

 

In Medjugorje gibt es so etwas wie einen speziellen Segen, den die Gottesmutter den Menschen schenkt. Können Sie darüber etwas sagen?

Die Gospa möchte, dass wir alle zum Segen werden, dass es uns bewusst wird, dass wir ihre ausgebreiteten Hände sind, ihre Augen, Ohren, Füße. Sie möchte, dass wir konkret werden. Sie wünscht ein geistliches Wachstum von uns, so wie es in der Bibel heißt: Wenn du betest, so gehe in deine Kammer und bete im Verborgenen zu deinem Gott! Diesen täglichen Kontakt muss jeder von uns suchen. Ich glaube, dass dies der Motor unseres gesamten geistlichen Lebens ist. Aber wir müssen aus dieser Kammer dann wieder hinausgehen und konkret zu arbeiten beginnen. Wenn die Gospa sagt, dass sie uns ihren Segen geben möchte, dann will sie, glaube ich,  uns ihre Liebe schenken. Das war auch ihre Antwort, als ich sie einmal fragte, warum sie so schön ist, so schön, dass man es anderen gar nicht beschreiben kann: „Ich bin schön, weil ich liebe.“

In all diesen kleinen Schritten möchte sie, dass ein jeder von uns zum Segen wird. Durch den mütterlichen Segen, den die Gospa täglich gibt, können wir wachsen. Jedem, der keinen Sinn im Leben sieht, dessen Eltern sich scheiden haben lassen und der seine Mutter nicht als ideale Mutter sieht, sagt die Gospa: „Da bin ich. Ich bessere alles aus.“ So können wir in der Gnade wachsen und unser Leben ändern. Ich glaube, dass es durch diesen großen Segen und durch die tiefe Liebe, die uns die Gospa täglich gibt, möglich ist, ein neues Leben der Umkehr zu leben.

 

Papst Benedikt XVI. hat ein Jahr der Heiligung des Priesters ausgerufen. Hat die Gottesmutter ein besonderes Wort für die Priester in diesem Jahr?

Die Gospa hat immer eine besondere Liebe zu den Priestern und sie sagt, sie sind ihre vielgeliebten Söhne. Wenn ich zu den Priestern spreche, sage ich immer, dass sie die Gospa in ihr Leben einbeziehen sollen. Es gibt viele Menschen, besonders auch Priester, die „christozentrisch“ sein wollen und die Gottesmutter dabei vergessen. In all diesen Jahren habe ich viele Priester erlebt, die in Krisen waren. Fast alle hatten keine Liebe zur Gottesmutter. Wenn ein Priester Liebe zu ihr hat, wirkt er gereifter. Die Gottesmutter ist so schön. Ihre Schönheit liegt nicht nur in ihrem Antlitz, sondern in ihrer großen Liebe zu uns, besonders zu den Priestern.

Ich bin überzeugt, dass es ein großer Segen ist, dass der Papst dieses Priesterjahr ausgerufen hat, damit die Priester angespornt werden, ihre priesterliche Berufung noch stärker zu leben. Manchmal sehen wir, dass Menschen die Priesterberufung als etwas Ungesundes hinstellen oder dass Priester auf Ziele ausgerichtet sind, die sie nicht weiterbringen: auf Karriere oder psychologisches Wissen statt auf Gebet. Sie denken, dass sie wie Ärzte sein sollen und eine psychotherapeutische Ausbildung brauchen. Die Gospa sagt aber immer: „Setzt Gott an die erste Stelle.“

Oft sehen wir auch, dass Priester bei ihrer vielen Arbeit überhaupt keine Zeit mehr zum Beten haben. Sie verlieren sich dann leicht in materiellen, unwichtigen Dingen, die auch irgend jemand anderer tun kann. Die Gospa sagt ihm aber: „Du bist Priester, du kannst den Segen spenden und Sünden vergeben. Niemand anderer kann das.“ Die Gospa spornt uns an, den Priestern in dieser Richtung zu helfen. Viele Priester verlieren sich heute in sozialen Diensten, denen sie sich zuwenden. Die Gospa erinnert uns immer wieder: „Setzt Gott an die erste Stelle.“

 

Seid Träger meines Friedens

Für ein paar Stunden wehte am 15. September 2009, dem Fest der Schmerzen Mariens, der Geist von Medjugorje im bis auf den allerletzten Platz gefüllten Wiener Stephansdom. Wie bereits im vergangenen Jahr  pilgerten auch dieses Mal Tausende von Menschen aus Wien und ganz Österreich in den altehrwürdigen Dom, um an einer Gebetsvigil für den Frieden in der Welt teilzunehmen. Dem Gebetstreffen war eine neuntägige Novene vorausgegangen, gestaltet von verschiedenen Gebets- und Ordensgemeinschaften, die jeden Abend im Stephansdom für den Frieden in der Welt und die Anliegen der Erzdiözese gebetet hatten.

Das Treffen im Stephansdom stand unter dem Motto „Message for you!“ und wurde von der „Oase des Friedens“, der „Gebetsaktion Maria-Königin des Friedens-Medjugorje“ und von der „Johannesgemeinschaft des Souveränen Malteser Ritterordens“ sorgfältig vorbereitet. Besonderer Ehrengast war Marija Pavlovic-Lunetti, eine der sechs inzwischen erwachsen gewordenen „Kinder“ aus Medjugorje, die seit dem 24. Juni 1981 Erscheinungen der Muttergottes bezeugen.

 

Werke der Nächstenliebe und Heilungen

Das Programm begann um 16 Uhr mit einem Lobpreis und persönlichen Erfahrungsberichten von Menschen, die durch das Gebet zur Gottesmutter Heilung erfahren hatten oder auch zu Werken der Nächstenliebe inspiriert wurden.

So erzählte Magnus MacFarlane-Barrow, wie er durch Medjugorje animiert wurde, ein Hilfswerk zu gründen, das jedem Kind auf der Welt eine warme Mahlzeit pro Tag ermöglichen soll. „Ich weiß, das klingt vielleicht verrückt, aber viel verrückter ist doch, dass heute noch immer Millionen von Kindern sterben müssen, weil sie nichts zum Essen haben“, erklärte der junge Schotte, dessen Hilfswerk „Mary‘s Meals“ inzwischen weltweit 375.000 Kinder in den ärmsten Ländern der Welt täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgt. „Heute können wir zum Beispiel in Malawi mit weniger als 10,- Euro ein Kind ein ganzes Jahr lang ernähren. Überall entsteht damit der gleiche Effekt: die gesättigten Kinder kommen wieder zur Schule.“

Georg Pospischil aus Wien bezeugte, wie ihm während seiner Teilnahme am Medjugorje-Gebetstreffen vor einem Jahr im Wiener Stephansdom der Glaube geschenkt wurde, dass Gott auch seine Ehefrau heilen wird. „Der Seher Ivan hatte im Dom eine Vision der Muttergottes und sprach danach davon, dass Gott alle heilen möchte. Ich dachte mir damals: Wenn er es sagt, dann muss ich es glauben, und schrieb am Abend in mein Tagebuch: Ich glaube fest daran, dass meine Frau geheilt wird.“ Gemeinsam mit seiner Gattin Gabi, die seit Oktober 2008 kein Krankenhaus mehr besuchen musste – ihre Laborwerte normalisierten sich und sie fühlt sich heute wie neu geboren –,  dankte er Gott für das große Geschenk, das ihnen zuteil geworden ist.

Johannes Gradwohl, ein junger Mann aus Hollenthon in der Buckligen Welt südlich von Wien, berichtete, wie am Krankenbett seines Bruders eine Gebetsgruppe von Jugendlichen entstanden ist, die in der Zwischenzeit acht Mal nach Medjugorje pilgerte und unzählige Gnaden empfangen durfte.

 

Eine Einladung, zu Gott zurück zu kehren

Der Dom war bis auf den allerletzten Platz gefüllt, als Marija Pavlovic-Lunetti um 17 Uhr mit ihrem Zeugnis begann. Sie sprach davon, wie sich ihr Leben durch die täglichen Erscheinungen der Muttergottes allmählich verändert hat: „Niemand von uns hätte sich so etwas erträumen können. Wir fragten uns: Warum wurden gerade wir für diese Gnade auserwählt? Wir sind doch nicht die besten. Die Gospa (Muttergottes auf Kroatisch, A.d. R.) lud uns zur Bekehrung ein. Mit jedem Tag wurde unser Gebet tiefer und stärker. Wir begannen Opfer zu bringen für die Anliegen der Muttergottes. Die Gospa begann unsere Herzen zu bekehren und bat uns, Gebetsgruppen zu gründen. Sie spornte uns an, noch mehr zu tun und in unserem Herzen damit zu beginnen.“ Marija Pavlovic-Lunetti erklärte weiter, dass Medjugorje eine Einladung der Mutter-gottes sei, „zu Gott zurück zu kehren. Ich bin überzeugt, dass die Erde ohne Gott keine Zukunft hat.“ Sie sei daher „dankbar, dass ich eure Diözese besuchen kann, um eure Herzen der Muttergottes zu übergeben. Jeder von euch soll sich verwandeln und zu einem Träger des Lichts werden, der Frieden bringt in diese friedlose Welt.“

Nach dem Bericht von Marija Pavlovic-Lunetti stimmten Verantwortliche von Gebets- und Ordensgemeinschaften das Gebet des Rosenkranzes an, gefolgt von einem weiteren Rosenkranzgesätzchen, das die Seherin vorbetete und dann plötzlich abbrach, als ihr in diesem Moment die Muttergottes erschien. Es trat eine große Stille im Dom ein und eine Atmosphäre des Friedens, wie er von vielen Menschen auch in Medjugorje erlebt wird.

 

Jeder ist berufen mitzuarbeiten

P. Leo Maasburg, der Nationaldirektor von Missio – Päpstliche Missionswerke in Österreich, zelebrierte anschließend eine heilige Messe, umringt von vielen Konzelebranten. In seiner Predigt sprach er vom „stillen Schrei, dem Schrei von Millionen von Kindern Gottes, die auch dieses Jahr wieder verhungern werden“ und erinnerte daran, dass „auch wir berufen sind, stellvertretend mitzuarbeiten am Werk der Erlösung, indem wir wie der Heilige Paulus sagen können: Ich ergänze an meinem Leib, in meinem Leiden, was an dem Leiden Christi noch fehlt.“ Gemeinsam mit Dr. Leo Maasburg erneuerten am Ende der hl. Messe die anwesenden Gläubigen ihre Weihe an das Herz Mariens.

Nach dem Ende der hl. Messe und vor dem Beginn der Anbetung berichtete Marija über über ihre Begegnung mit der Gospa an diesem Abend: „Im Moment der Erscheinung habe ich der Gottesmutter alle anempfohlen, die anwesend sind, besonders auch jene, die wir im Herzen tragen. Und ich bat sie, dass sie unsere Weihe annimmt, die Weihe dieses Volkes an ihr Unbeflecktes Herz. Ich sagte, dass wir ihre Freude sein möchten, heute, am Tag der Schmerzen Mariens. Die Gospa lächelte und betete lange Zeit über uns. Sie segnete uns alle und alle Andachtsgegenstände, die wir bei uns hatten und  sagte, dass wir Träger des Friedens sein sollen.“

 

Kardinal: Ein großes Geschenk!

Danach folgte noch eine Überraschung, als sich zur Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, dem Gebet im Dom anschloss. Er zeigte sich sichtlich bewegt vom Andrang so vieler betender Menschen und vor allem der vielen Jugendlichen im Dom, was aus seinen spontanen Worten spürbar wurde:

 

„Gelobt sei Jesus Christus! Gelobt sei der Name Mariens! 

Es ist ein großes Geschenk, dass die Muttergottes allen ihren Kindern so nahe sein will! Sie hat es an so vielen Orten der Welt gezeigt. Und seit vielen, vielen Jahren zeigt sie es in einer ganz besonders nahen Weise in Medjugorje. 

Wir dürfen dem Herrn dafür danken, dass Er durch Seine Mutter so viele Menschen in diesen nun fast schon 30 Jahren zur Liebe Gottes geführt, ihnen Seine Liebe gezeigt hat und dass so viele Menschen Heilung, Umkehr und Erneuerung gefunden haben. In der Beichte durften sie die Liebe zum Herrn in der Eucharistie und die Liebe zu Seiner Mutter entdecken. Die Versöhnung in den Familien, die Heilung von Drogen, Süchten und Nöten sind ihre Anliegen.  Es ist ein ganz großes Zeichen für unsere Zeit, dass Maria so konkret und so ganz nahe und einfach sich um ihre Kinder sorgt und kümmert und bei ihnen ist.

Wenn ich sehe, wie viele Sie heute im Dom sind und wie lange Sie schon beten – viel länger als ich, dann kann ich nur dem Herrn und Seiner Mutter von ganzem Herzen danken, und Sie alle bitten: Seien Sie Zeugen Seiner Barmherzigkeit, Zeugen der Nähe der Gospa zu den Menschen.“

Dem Dank des Kardinals folgte auch eine persönliche Bitte, und zwar für das Gelingen des missionarischen Projekts Apostelgeschichte 2010 zu beten, das im kommenden Jahr in der Erzdiözese Wien als eine Initiative zur Neuevangelisierung durchgeführt wird.

 

Die meisten der Gläubigen blieben auch während der Eucharistischen Anbetung im Dom. Dr. Leo Maasburg leitete ein Heilungsgebet, in dem er für die Menschen um Heilung ihrer seelischen und körperlichen Verwundungen und Krankheiten betete. Am Schluss ging der Kardinal mit der hoch erhobenen Monstranz durch den Dom und segnete die Menschen.

In einer großen inneren Freude endete der Gebetsnachmittag und -abend im Wiener Stephansdom. Der Hoffnung von Kardinal Christoph Schönborn, dass das Gebet für die Diözese und unser ganzes Land reiche Früchte tragen möge, dürfen wir uns alle vertrauensvoll anschließen.